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Jahrestagung 2014

Foto von der Jahrestagung

„Drei Seiten der Medaille“ Gesundheit, Soziales, politische Beteiligung: Dimensionen der Selbsthilfe” vom 26. bis 28. Mai 2014 in München

Die 36. bundesweite Fachtagung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. für Fachkräfte der Selbsthilfeunterstützung fand 2014 zum vierten Mal in Bayern statt. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Verein Selbsthilfekontaktstellen Bayern e.V., der Selbsthilfekoordination Bayern (SeKo Bayern) und dem Selbsthilfezentrum München durchgeführt. Unter dem Motto "Drei Seiten der Medaille" standen drei zentrale Dimensionen der gemeinschaftlichen Selbsthilfe im Mittelpunkt: "Gesundheit", "Soziales" und "politische Beteiligung".

Schirmherrin der Tagung war die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, Emilia Müller (CSU). Die Fachtagung wurde gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration, von der Bayerischen Landeshauptstadt München und von der BARMER GEK.

Helmut Breitkopf, Vorstand der DAG SHG
Klaus Grothe-Bortlik, Selbsthilfezentrum München
Emilia Müller (CSU), Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Integration

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Grußwort zur Eröffnung der Jahrestagung
Helmut Breitkopf (Vorstand Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V., Essen) | 2014

Begrüßung zur Eröffnung der Jahrestagung
Klaus Grothe-Bortlik (Selbsthilfezentrum München) | 2014

Rede zur Eröffnung der Jahrestagung
Burkhard Rappl (Bayerisches Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, München) | 2014

Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt, Universität zu Köln

Im seinem Eingangsvortrag beschrieb Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt Selbsthilfegruppen als "genossenschaftsartige Sozialgebilde". Mitglieder seien gleichzeitig Anbieter und Abnehmer von Hilfe, soziologisch könne man sie als "Zusammenschlüsse von Personen zur Deckung des Bedarfs auf
Gegenseitigkeit" definieren. Gerade Selbsthilfegruppen könnten helfen, die Grenzen der Familie und zugleich die Unzuständigkeit und Ineffektivität von Markt und Staat zu überwinden und "Versorgungslücken" zu schließen. "Selbsthilfegruppen werden somit zu wichtigen Akteuren der wohlfahrtsgesellschaftlichen Sicherstellung von Sozialpolitik im Gewährleistungsstaat."

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Gesundheitsbezogene und soziale Selbsthilfegruppen als bürgerschaftliches Engagement im sozialräumlichen Kontext kommunaler Daseinsvorsorge (Vortrag)
Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Köln) | 2014

Soziale und gesundheitsbezogene selbsthilfe im Sozialraum (Präsentation)
Prof. Dr. Frank Schulz-Nieswandt (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Köln) | 2014

Synergien, Übergänge und Differenzierungen in der aktuellen Selbsthilfelandschaft

Die Aufteilung der Selbsthilfe in Soziale Selbsthilfe und Gesundheitsselbsthilfe ist trotz unterschiedlicher Themenschwerpunkte im Feld oft artifiziell. Die Überschneidungen und Übergänge und auch die unmittelbare Zusammengehörigkeit sind unbestreitbar. In zwei Vorträgen, die jeweils mit den Themen "Arbeit" und "Krebserkrankungen" vornehmlich dem einen und dem anderen Bereich zugeordnet werden können, wurden diese Differenzierungen in Frage gestellt. In anschließenden Diskussionsrunden diskutierten die Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe 1 die Auswirkungen auf die Selbsthilfelandschaft und die Unterstützungsangebote.

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Das Spektrum der Psychoonkologie – mögliche Ansätze und Interventionen
Markus Besseler (Bayerische Krebsgesellschaft e.V., München) | 2014

Selbsthilfegruppe Prostatakrebs München
Ortwin Thiel (München) | 2014

Von der Systemkritik zu Selbsterfahrung? Wie politisch ist Selbsthilfe heute?

In den 1970er und 1980er Jahren verstanden sich viele Akteure der neueren Selbsthilfebewegung als Teil einer kritisch-politischen Emanzipationsbewegung. Vieles ist inzwischen von Gesellschaft und Fachwelt aufgenommen und von der Politik auf den Weg gebracht worden: die Selbsthilfe als fachlicher Impulsgeber und anerkannter Träger der Jugendhilfe, die Selbsthilfeförderung im Gesundheitsbereich, die Einführung der Patientenbeteiligung, die Stärkung der Patientenrechte und die UN-Behindertenrechtskonvention zur Inklusion behinderter und chronisch kranker Menschen. In der Arbeitsgruppe 2 diskutierten die Teilnehmer/innen, was aus der oft vehementen Kritik an Experten und Institutionen geworden ist und wie politisch und politikfähig die gemeinschaftliche Selbsthilfe heute ist.

Selbsthilfe mit Sozialraumbezügen bewegt sich seit jeher zwischen den Polen der kommunalen Sozialplanung und der klassischen Sozialarbeitsmethode der Gemeinwesenarbeit. Wie kann die Selbsthilfeunterstützung unter Einbeziehung dieser Wirkfaktoren den eigenen Empowermentansatz profilieren und der Selbstorganisation eine Plattform bieten? In der Arbeitsgruppe 3 wurde der Blick zunächst auf die kommunale Sozialplanung gerichtet. "Selbsthilfe und Selbstorganisation" sind in München seit fast 30 Jahren integrale Bestandteile der Sozialplanung. Welcher sozialpolitische Impetus hatte die Kommunalverwaltung damals geleitet und welche Entwicklungen wurden inzwischen vollzogen, so dass sich auch heute noch beide Zugänge immer wieder befruchten?
Zudem diskutierten die Teilnehmer/innen das Verhältnis von Selbsthilfeunterstützungsarbeit und Gemeinwesenarbeit.

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Ein schwieriges Verhältnis? Selbsthilfeunterstützung trifft auf Gemeinwesenarbeit
Prof. Dr. Gabriela Zink und Prof. Dr. Tilo Köck (Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften, Hochschule München) | 2014

Neue Begrifflichkeiten und zielgruppenspezifische Settings der Gruppenarbeit

Selbsthilfegruppen treffen sich auf der Basis des Austauschs und des gemeinsamen Erlebens. Dennoch scheint sich das Selbstverständnis zu ändern und ein neuer Sprachgebrauch einzustellen. Der Selbsthilfebegriff wird zunehmend ersetzt durch alternative Begriffe wie Interessengemeinschaft / Freundeskreis / Peer Group. Die Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe 4 tauschten sich darüber aus, mit welchen Faktoren die Wahl des Vorgehens zu tun hat und welche Rolle die jeweiligen Altersgruppen, das Geschlecht, die geringe Anzahl von Betroffenen, große Entfernungen, Mobilitätseinschränkungen, der kulturelle Hintergrund, Ängste vor negativen Zuschreibungen oder Diskriminierungen spielen. Zudem würde erörtert, wie in der Selbsthilfeunterstützung neuen Begriffen und spezifischen Settings der Gruppenarbeit Rechnung getragen werden kann.

Was hat sich in der Selbsthilfeunterstützung bewährt, sind neue Ansätze nötig?

Dem Unterstützungsgeschehen zur gemeinschaftlichen Selbsthilfe liegt das Konzept des Empowerments zugrunde. Empowerment ist eine Mut machende Praxis, die nicht an den Defiziten, sondern an vorhandenen Ressourcen und Fähigkeiten anknüpft. Auf dieser Grundlage haben sich seit Jahren differenzierte Formen einer erweiterten Begleitung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen entwickelt. In der Arbeitsgruppe 5 wurden bestehende Ansätze erweiterter Selbsthilfeunterstützung, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt haben, in den Blick genommen und auf ihre Bedeutung für die Praxis untersucht. Daran knüpfte die Frage an, ob es neuer Ansätze bedarf, um Selbsthilfegruppen in ihrer Entwicklung besser zu unterstützen. In der Gruppe wurde mit Methoden gearbeitet, die die unterschiedlichen Konzepte erfahrbar und nachvollziehbar machten.

Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Paritätischer Wohlfahrtsverband – Gesamtverband e.V., Berlin

Der Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes forderte in seinem Vortrag ein Umdenken in der Gesundheitsfürsorge. Gesundheit sei viel mehr als die Abwendung von Krankheit, betonte er. Die Befindlichkeit eines Menschen sei auch eine Frage seiner sozialen Einbettung. Soziale Unsicherheit, Stress, Ausgrenzung und Diskriminierung seien Auslöser von Krankheit. Umgekehrt seien ein positives soziales Umfeld sowie die eigene Gesundheitskompetenz ausschlaggebend, um trotz einer Krise das Leben zu meistern. "Der Schlüssel dafür ist soziale Teilhabe und Partizipation", so Rosenbrock. Für die Selbsthilfe fand der Gesundheitsexperte lobende Worte: Sie sei "Gesundheitsförderung pur".

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Prävention in Versorgung und Gesellschaft (Präsentation)
Prof. Dr. Rolf Rosenbrock (Berlin) | 2014

Abschlussdiskussion zu den Themen der Vorträge und der Arbeitsgruppen

Die Abschlussdiskussion griff nochmals die wichtigsten Themen der Tagung auf auf und richtete den Blick in die Zukunft. Dabei zeigte sich, dass gemeinschaftliche Selbsthilfe nach wie vor eine der wichtigsten Strategien von Menschen ist, um chronische Erkrankung oder soziale Probleme zu bewältigen. "Gesundheitsfördernde, übergreifende Angebote können die indikationsspezifische Selbsthilfe zukünftig sinnvoll ergänzen", so Theresa Keidel von SeKo Bayern. Außerdem solle sich die Selbsthilfe auf ihre Wurzeln, nämlich "Zuhören und Reden" besinnen. Gespräche unter Gleichbetroffenen in Foren und Chats im Internet könnten so oft sinnvolle Brücken in die regionale Selbsthilfe anbieten.

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Verschiedenheit als Chance: Wo steht die Selbsthilfe, wo geht sie hin?
Theresa Keidel (SeKo Bayern, Würzburg) | 2014

 

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Den Selbsthilfe-Wurzeln wachsen Flügel
Wolfgang C. Goede, Beitrag in der Deutschen Angst-Zeitschrift daz67, III/2014

"Gesundheit, Soziales und politische Beteiligung" – Pressemeldung der Selbsthilfekoordination SeKo Bayern zur Jahrestagung 2014, 30.05.2014

"Drei Seiten der Medaille" – Bericht des Selbsthilfezentrums München zur Jahrestagung 2014