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17.06.2016

Patientenvertretung begrüßt Strukturreform der ambulanten Psychotherapie

Jedoch auch einige Kritikpunkte benannt

Die Patientenvertretung im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) hat die von dem Gremium beschlossene Strukturreform der ambulanten Psychotherapie-Richtlinie begrüßt. Damit komme der G-BA gesetzlichen Vorgaben nach und nehme neue Elemente auf, heißt es in einer Presseerklärung der Patientenvertretung. Dazu gehörten die psychotherapeutische Sprechstunde, die Rezidivprophylaxe und Regelungen zur Akutbehandlung für die Versorgung psychisch kranker Menschen.

Die große Hoffnung aus Patientensicht richtet sich auf einen schnelleren Erstkontakt durch die neu geschaffene psychotherapeutische Sprechstunde. Die Therapeuten sollen so frühzeitig und niedrigschwellig Schwere und Behandlungsbedürftigkeit der Beschwerden einschätzen und über ein geeignetes psychotherapeutisches Verfahren oder auch andere Hilfen wie die Selbsthilfe, Beratungsstellen und Präventionsangebote beraten können.

Die Patientenvertretung hält es jedoch für ungewiss, ob sich diese Hoffnung für alle Ratsuchenden erfüllen kann. Denn während Patientinnen und Patienten zukünftig zwingend vor Beginn einer Psychotherapie die psychotherapeutische Sprechstunde in Anspruch nehmen müssten, müssten diese von den Therapeuten nur freiwillig angeboten werden. „Hier ist der Sicherstellungsauftrag über Versorgungsangebote gefährdet und es wird eventuell ein neues Nadelöhr geschaffen“, so Dr. Martin Danner, Sprecher der Patientenvertretung im G-BA.

Erfreulich sei, dass die Stundenanzahl für Langzeittherapien wie bisher bestehen bleibt. Die neu geregelte Stundenaufteilung in der Kurzzeittherapie ist aus Sicht der Patientenvertretung jedoch sachlich unbegründet. Eine Zweiteilung in je 12 Stunden (bisher bis zu 25 Stunden) sei für den therapeutischen Prozess nicht zielführend. „Weder Daten aus der aktuellen Versorgung, noch Studiendaten liefern tragfähige Argumente für diese Neuregelung“, sagte Dr. Danner.

Weitere Kritikpunkte der Patientenvertretung beziehen sich auf die fehlende Aufnahme der Hochschulambulanzen als Leistungserbringer, die Reduktion der Mindestteilnehmerzahl bei Gruppentherapien sowie die Reduktion der Anzahl probatorischer Sitzungen. Auch die von der Patientenvertretung beantragte Ergänzung um die Paar- und Familientherapie sei abgelehnt worden.

Rechtlich bedenklich findet die Patientenvertretung, dass der G-BA weitere wichtige Regelungsnotwendigkeiten den Vertragspartnern von GKV und KBV alleine zur Regelung in der Psychotherapie-Vereinbarung überlässt. „Damit werden Beteiligungsrechte, die beim G-BA garantiert sind, systematisch umgangen“, kommentierte der Patientenvertreter Professor Heberlein in der G-BA-Sitzung.

Quelle: Patientenvertretung im G-BA, Pressemitteilung vom 16.06.2016