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21.06.2016

Forschende Pharma-Unternehmen veröffentlichen Zahlungen an Ärzte

2015 flossen insgesamt circa 575 Millionen Euro

Die Zusammenarbeit von Ärzten und Pharmaindustrie soll transparenter werden. Bis Ende Juni wollen die Mitgliedsunternehmen des Vereins "Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie" (FSA) erstmals auf ihren Internetseiten offenlegen, wie viel Geld sie im Vorjahr an Ärztinnen und Ärzte, andere Berufsgruppen im Gesundheitsbereich sowie medizinische Organisationen und Einrichtungen überwiesen haben. Damit setzen die 54 Mitgliedsunternehmen des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) eigenen Angaben zufolge die Vorgaben ihres 2015 in Kraft getretenen Transparenzkodex um.

In einer Pressekonferenz am 20. Juni 2016 nannte die vfa bereits die Gesamtsumme aller Leistungen: Demnach haben die 54 Unternehmen im Jahr 2015 circa 575 Millionen Euro an Ärzte, Fachkreise und medizinische Organisationen für Forschung und Fortbildung bezahlt. 366 Millionen Euro flossen dabei an Ärzte in Kliniken und niedergelassene Ärzte. Honoriert wurden damit Leistungen für klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen. 119 Millionen Euro bezahlten die Unternehmen Ärzten für Vorträge und als Zuschüsse für Fortbildungen. Weitere 90 Millionen Euro wurden unter Sponsoring und Spenden verbucht.

Einem Bericht der Ärztezeitung zufolge wird die Zusammenarbeit von Industrie und Ärzten durch die Umsetzung des Transparenzkodex jedoch nicht vollständig transparent. Leistungen an einzelne Ärzte würden nur namentlich genannt, wenn diese einer Veröffentlichung zustimmten. So hätten zum Beispiel nur ein Drittel der für Anwendungsbeobachtungen honorierten niedergelassenen Ärzte eine namentliche Veröffentlichung genehmigt.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Fraktion der Linken, Kathrin Vogler, kritisierte laut Ärztezeitung, dass die Unternehmen mit ihrer Transparenzinitiative lediglich eine wirksame gesetzliche Beschneidung ihrer Manipulationen vermeiden wollten. FSA-Geschäftsführer Dr. Holger Diener dagegen sehe in der freiwilligen Selbstkontrolle einen Beitrag, unlautere Beeinflussung von Ärzten und Patientenorganisationen vorzubeugen. Seit 2004 seien rund 500 Verstöße gegen den Kodex verfolgt worden. B

Quellen:

Freiwillige Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie (FSA), Pressemitteilung vom 20.06.2016

"Pharma: So viel zahlte die Industrie an Ärzte", Ärztezeitung online vom 20.06.2016