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28.11.2022

Pflegeselbsthilfe braucht besondere Unterstützung durch Fachkräfte in den Selbsthilfekontaktstellen

Online-Seminarreihe verdeutlicht wie wichtig Geduld und langer Atem sind

Die Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. hat 2022 im Rahmen des Projektes „Stärkung des Selbsthilfepotenzials bei pflegenden Angehörigen durch Selbsthilfekontaktstellen“ eine dreiteilige digitale Seminarreihe für Fachkräfte in der Selbsthilfeunterstützung zur Gesamtthematik „Pflegeselbsthilfe“ durchgeführt.

Gruppengründung
Das erste Seminar fand im Juni 2022 statt und befasste sich mit Gruppengründungen in der Pflegeselbsthilfe. Zunächst wurde die Zielgruppe „pflegende Angehörige“ vorgestellt, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie stark die Mehrheit der Angehörigen durch ihre Pflegetätigkeit belastet ist. Anschließend diskutierten Mitarbeitende aus Selbsthilfekontaktstellen deutschlandweit und tauschten sich über Erfahrungen aus. Dabei wurde schnell deutlich, dass der Weg in die gemeinschaftliche Selbsthilfe für Betroffene eine große Hürde darstellen kann. Als gelingende Möglichkeit, um einen Zugang zu pflegenden Angehörigen zu finden, beschrieben Teilnehmende unverbindliche Auftaktveranstaltungen zur Informations- und Wissensvermittlung zum Umgang mit der Pflegesituation. Einen anderen Ansatz stellen niedrigschwellige Angebote dar, wie zum Beispiel Betroffene zum Kaffeetrinken einzuladen, ohne eine weitere inhaltliche Ausgestaltung des Treffens. Außerdem erleichtern Kooperationen, zum Beispiel mit wir pflegen e.V., den Zugang zu den Betroffenen.

Gruppenbegleitung
Das zweite Seminar im September dieses Jahres thematisierte die Gestaltung der Gruppenbegleitung. Neben der Diskussion zu unterschiedlichen Gruppenkonstellationen und zur Gruppendynamik wurden Aufgaben des Moderierenden und die Funktion des Ehrenamtes, zum Beispiel in Form des In-Gang-Setzer-Projektes und des Peer Counseling, vorgestellt. Die Unterstützung einer Pflegeselbsthilfegruppe kann sich von einer gesundheitsbezogenen Selbsthilfegruppe unterscheiden, da sich meistens eine besondere, vielleicht dauerhafte Begleitung durch externe Moderierende oder durch die Fachkräfte in den Selbsthilfekontaktstellen als notwendig erweist. Dabei die richtige Haltung und ein Bewusstsein für die Kontaktstellenarbeit zu entwickeln, ist Kernpunkt der Begleitung. Wenn Moderierende Struktur und Rahmen im Blick haben und ihre Rolle entsprechend reflektieren, gelingt es auch die Gruppe zu unterstützen, ohne inhaltlich mitzubestimmen.

Pflegeselbsthilfe in Zeiten der Corona-Pandemie
Im November 2022 wurde das dritte Seminar durchgeführt mit dem Schwerpunkt Pflegeselbsthilfe in Zeiten der Corona-Pandemie. Insbesondere pflegende Angehörige mussten und müssen immer noch mit den Auswirkungen des Virus umgehen. Damit sie nicht noch durch den Wegfall der Gruppen zusätzlich belastet sind, führten zum Beispiel die Berliner Kontaktstellen PflegeEngagement telefonische Einzelgespräche durch oder verlegten Gruppen nach draußen. Dem Digitalisierungsschub folgend wurden digitale Gesprächsgruppen und Social Media verstärkt genutzt sowie eine Podcast-Reihe für pflegende Angehörige produziert. Bei dem Online-Seminar stellte der Verein wir pflegen e.V. eine App für pflegende Angehörige – in.kontakt – vor, mit der sich Betroffene digital austauschen und vernetzen können.

Dass sich pflegende Angehörige zusätzlich zu ihren andauernden persönlichen Belastungen durch die Pflegesituation in einer Selbsthilfegruppe engagieren, bedarf oft einer besonderen Unterstützung durch Selbsthilfekontaktstellen-Mitarbeitenden. Die Teilnehmenden der Fortbildung stellten gemeinsam fest, dass Fachkräfte in der Selbsthilfeunterstützung eine hohe Fluktuation der Betroffenen geduldig hinnehmen sollten.

Ausblick
Die Ergebnisse der Seminare werden aufbereitet und anschließend veröffentlicht. Außerdem werden sich im nächsten Jahr weitere digitale Veranstaltungen für Fachkräfte in der Selbsthilfeunterstützung zur Thematik der Pflegeselbsthilfe anschließen.

Text: Anja Schödwell, DAG SHG

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