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11.02.2016

UPD-Betreiber versichert: Unabhängigkeit gewährleistet

Vor-Ort-Beratungen sollen noch in diesem Monat starten

Die Neuvergabe der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) an ein Callcenter-Unternehmen war stark umstritten. Der neue Betreiber will jetzt beweisen, dass sein Konzept zurecht den Zuschlag erhalten hat. UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede erklärte gegenüber der "Ärzte Zeitung", die Unabhängigkeit der UPD von der Sanvartis GmbH sei gewährleistet. Um diese zu erreichen, sei extra eine gemeinnützige GmbH gegründet worden. Direkte Verbindungen zu Sanvartis gebe es praktisch keine.

Für die Beratungstätigkeiten seien neue Mitarbeiter rekrutiert worden, deren fachliche und kommunikative Kompetenz in Assessment-Centern getestet worden sei. "Derzeit sind es 45 Mitarbeiter, aber der Stab soll noch deutlich größer werden", so Krumwiede. Angestrebt wird eine Zahl von 120 Beratern. Krumwiede räumte gegenüber der Ärztezeitung allerdings ein, dass in Spitzenzeiten auch Mitarbeiter von Sanvartis - ein sogenanntes Überlaufteam - Telefongespräche entgegennehmen würden. "Diese leiten aber nur Gespräche weiter und führen keine Beratungsgespräche", versichert er.

Für die Beratungstätigkeit werden Ärzte, Juristen, Krankenschwestern, Medizinische- oder Rechtsanwaltsfachangestellte sowie Sozialversicherungsfachleute gesucht. Die Berater, ob am Telefon, in den 30 geplanten Außenstellen oder in den Mobilen, die regional eingesetzt werden sollen, können dabei auf eine Datenbank zurückgreifen, die ihnen Informationen auf einem hohen Niveau bereitstellen soll.

Die Unabhängigkeit sieht Krumwiede laut "Ärzte-Zeitung" aus verschiedenen Gründen gewährleistet: So soll es einen Auditor geben, der vom wissenschaftlichen Beirat ausgewählt wird. Der Auditor soll wie die UPD in Berlin ansässig sein und Zugang zu allen Unterlagen und Sitzungen haben. Hat er Zweifel an der Unabhängigkeit, kann er Verstöße direkt an den Beirat melden. Zudem erhalte der Beirat Weisungsrechte gegenüber der UPD, hatte der Patientenbeauftragte Laumann nach der Neuvergabe der UPD versichert. Aber noch wesentlicher sei, dass bei nachgewiesenen Verstößen gegen die Unabhängigkeit Fördergelder zurückgefordert werden können.

Die ersten Vor-Ort-Beratungen sollen laut Krumwiede diesen Monat starten. Für viele Außenstellen sucht die UPD derzeit Büros. Wichtige Voraussetzung: Sie sollen in der Nähe von Gesundheitsämtern, Rathäusern oder Bürgerbüros liegen und müssen barrierefrei zugänglich sein. Bei den Beratungen in den Außenstellen sollen auch Ärzte oder Juristen, die in der Berliner Zentrale sitzen, per Videotelefonie zugeschaltet werden können.  Eine UPD-App soll im April einsatzbereit sein, auch Beratungen per Online-Chat will die UPD bald anbieten sowie anonyme Beratungen ermöglichen.

Die Vergabe der UPD an ein privates Callcenter-Unternehmen stößt allerdings weiterhin auf massive Kritik. So hatte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Professor Frank Ulrich Montgomery, Anfang des Jahres erklärt, ein Marketing-Unternehmen sei nicht das Richtige, um Patienteninteressen durchzusetzen. Die Neuausrichtung der UPD war auch von zahlreichen Patienten- und Selbsthilfevertreter/innen kritisiert worden. Eine von einer Privatperson im Internet gestartete Online-Petition auf der Plattform change.org hatte mehr als 21.000 Unterzeichner.

Quellen:

Nach umstrittener Vergabe: Neue Patientenberatung hofft jetzt auf faire Chance
Ärzte Zeitung vom 10.02.2016

Bei Ärzten: Patientenberatung stößt weiter auf Kritik
Ärzte Zeitung vom 07.01.2016

Änderung bei unabhängiger Patientenberatung: Argwohn über privaten Anbieter
tagesschau.de vom 29.12.2016

Die neue UPD ist nicht die Alte!
www.fuer-unabhaengige-patientenberatung.de, Kommentar vom 07.01.2015

"Bewahren Sie die Unabhängigkeit der Patientenberatung Deutschlands (UPD)"
Online-Petition auf www.change.org