Jahrestagung 2009
Selbsthilfeunterstützung im Jahr 2020
„Prima, weil alle aktiv dabei sind“(Teilnehmerin)
Den Abschluss der Jahrestagung bildete erstmals ein „World Café“ – eine weltweit anerkannte und innovative Moderationstechnik für große Gruppen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sitzen an Tischen zusammen, diskutieren, zeichnen, malen und schreiben ihre Einfälle auf die weißen Papierdecken. In lockerer Atmosphäre können so Fragen von tieferer Bedeutung erörtert und spielerisch neue Ideen erarbeitet werden.
Zum World Café waren als Ehrengäste Elke Ferner (MdB, SPD), Professor Reiner Feth (Der Paritätische, Rheinland-Pfalz-Saarland), Angela Staub (Landesvereinigung SELBSTHILFE e.V.), Petra Otto (KISS Saarland) und Professor Raimund Geene (Vorstandsmitglied der DAG SHG, Berlin) eingeladen. Die CDU-Landtagsabgeordnete Anja Wagner-Scheid musste ihr Kommen leider kurzfristig absagen.
„Wo sehen Sie die Selbsthilfe im Jahre 2020?“, fragte Moderatorin Theresa Keidel (SEKO Bayern) zunächst die politischen Vertreter und Vertreterinnen. „Eingebettet in ein Gesundheitsförderungsgesetz“, antwortete Professor Raimund Geene. Die Anerkennung der Selbsthilfe als tragenden Bestandteil des zivilgesellschaftlichen Engagements, wünschte sich Petra Otto. „Ich möchte mich in elf Jahren mit inhaltlichen Themen beschäftigen und nicht mehr mit Finanzierungen“, sprach Angela Staub vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus dem Herzen. Professor Reiner Feth warnte vor einer zunehmenden Medikalisierung. Die soziale Selbsthilfe werde immer mehr zu einem Randphänomen, sagte er. Die Bundestagsabgeordnete Elke Ferner nannte als eine der Herausforderungen der nächsten Jahre die Einbindung der Selbsthilfe in das Pflegereformgesetz. Zugleich würdigte sie die Arbeit der NAKOS als unverzichtbar und sprach sich für eine institutionell gesicherte Finanzierung der Einrichtung aus. „Wir möchten die NAKOS auf eine gesicherte Grundlage stellen“, betonte sie.
In drei Runden erarbeiteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend Visionen für eine erfolgreiche Selbsthilfe im Jahr 2020. Im Mittelpunkt standen dabei vor allem eine angemessene und sichere finanzielle Förderung der Selbsthilfe, eine stärkere Vernetzung untereinander, Raum für Basisarbeit und die inhaltliche Auseinandersetzung, Abbau von Bürokratie sowie eine größere Anerkennung der Selbsthilfe in der Gesellschaft.
In der Gruppenarbeit und bei der anschließenden Präsentation der Ergebnisse stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre große Kreativität unter Beweis. So startete etwa die Tischgruppe 22 ihre Reise in das Jahr 2020 mit einem selbst gemalten Selbsthilfebus. Den Selbsthilfegruppen, den Selbsthilfekontaktstellen, sowie den Landesverbänden und Bundesverbänden der Selbsthilfeorganisationen wurde dabei als den vier Rädern eine führende Rolle zugewiesen. Konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Visionen waren unter anderen die Einrichtung eines bundesweiten Tages der sozialen Selbsthilfe, die Eröffnung von Selbsthilfe-Bürgerhäusern, die Zusammenarbeit mit Schulen, ein Gütesiegel „selbsthilfefreundliche Kommune“, eine groß angelegte Imagekampagne sowie eine eigene Briefmarke der DAG SHG.
Beate Ufer (Kiss Saarland) zog folgendes Fazit: „Selbsthilfe und Selbsthilfeunterstützung brauchen Freiräume – für eigene Entwicklungen, Selbstorganisation und Ziele, frei von Institutionalisierung und Instrumentalisierung, frei(e) Räume für die Treffen, frei von der Sorge um finanzielle Ressourcen. Soziale Selbsthilfe und gesundheitliche Selbsthilfe sind gleichrangig und wollen auch so behandelt werden.“
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Letzte Änderung: 07.09.2010


