DAG SHG

Jahrestagung 2009


AG 2: Selbsthilfe und neue Medien
Input 1:
E-Mail und Chatberatung der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe-Kontaktstellen in Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Monika Westphal, KISS Stralsund

Input 2:
10 Jahre Internetkommunikation bei Essstörungen. Erfahrungen und Trends
Wolfgang Gawlik, Hungrig-Online

Input 3:
Chats und Foren für Betroffene von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
Bernd Franzen, Deutsche Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung e.V.

Moderation: Dr. Jutta Hundertmark-Mayser, NAKOS, Berlin


Ins Internet kann man auch im Schlafanzug und verknittert
(Bernd Franzen)

In der Arbeitsgruppe ‚Selbsthilfe und neue Medien’ diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über die Wirkungen der neuen Medien auf die Arbeit von Selbsthilfegruppen und der Selbsthilfeunterstützung. Das Internet wird zunehmend von Menschen genutzt, um sich über persönliche Probleme, Krankheiten und Sorgen miteinander auszutauschen. Im Internet entsteht eine eigene Selbsthilfekultur.

Welche Vorteile und Nachteile bietet der Austausch teils hochpersönlicher Informationen im virtuellen Raum für Betroffene? Wie kann die Vertrauenswürdigkeit verschiedener Angebote eingeschätzt werden? Welche Bedingungen müssen gegeben sein, damit ein Gruppenaustausch gelingt? Sind solche Internet-Gemeinschaften originäre Selbsthilfe? Können Foren und Chats langfristig die face-to-face-Selbsthilfe ersetzen? Und: Wie können Selbsthilfekontaktstellen in ihrer Mittlerfunktion kompetent mit dem Thema umgehen?

In ihren Input-Referaten bewerteten alle drei Experten die Möglichkeiten der virtuellen Kommunikation durchweg positiv. Mit dem Angebot der Kontaktstellen in Mecklenburg-Vorpommern wird ein Beitrag zur besseren Versorgung solcher Gegenden geleistet, in denen die Selbsthilfe- und Beratungsangebotsdichte besonders niedrig sind. Die Erfahrungen bei hungrig-online und der DCCV entkräfteten häufig vorgebrachte Bedenken in Bezug auf Internet-Kommunikation: Bei beiden Plattformen sorgen ehrenamtlich arbeitende Moderatoren, ebenso wie ein harter Kern der in Foren und Chats Aktiven für einen angenehmen Umgangston und themenbezogene Diskussionen. „Flaming“ (Beschimpfungen) sei kaum ein Thema. Zum Teil tauschten sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereits über mehrere Jahre im Forum miteinander aus.

Alle drei Inputgeber sahen die virtuellen Formen der Selbsthilfe beziehungsweise Selbsthilfeunterstützung nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung, mit der Menschen angesprochen werden können, die von herkömmlichen Selbsthilfe-Angeboten nicht erreicht werden. Zum Teil wirken die Onlinemöglichkeiten auch als Türöffner: Menschen, die sich im Internet kennen gelernt haben, möchten sich später auch von Angesicht zu Angesicht begegnen.

In der Diskussion wurde deutlich, dass sich die virtuellen Selbsthilfe-Formen nur begrenzt mit unseren herkömmlichen Definitionen erfassen lassen. So gibt es zwar auch virtuelle Selbsthilfegruppen, die in ihrer Arbeitsweise „normalen“ Selbsthilfegruppen entsprechen: sie tauschen sich in einem geschützten Raum im Netz miteinander aus, treffen sich über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder in einem geschlossenen Chat und bestehen aus einer festen Personengruppe. Der größte Teil der Internetkommunikation findet aber anders zusammenhängen: in offenen und geschlossenen Foren und Chats, in virtuellen Gästebüchern, auf „Pinnbrettern“ und in „Shoutboxes“. Klar wurde auch, dass sich Selbsthilfekontaktstellen Medienkompetenz aneignen müssen – auch um mit der wichtigen Frage des Datenschutzes richtig umgehen und Selbsthilfegruppen kompetent beraten zu können.

Dringend benötigt wird daher eine Praxishilfe, die Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Selbsthilfe-Idee Kriterien für die eigene Vermittlungsarbeit an die Hand gibt.

Weiterführende Informationen zu dem von der NAKOS, Nationale Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, durchgeführten Projekt "Selbsthilfe und Neue Medien — Bestandsaufnahme, Differenzierung, Wirkungsanalyse und Kriterienentwicklung" finden Sie hier.

Pdf DateiMonika Westphal: Selbsthilfe und neue Medien – Wie verändern sie die Arbeit von Selbsthilfegruppen und der Selbsthilfeunterstützung? (95kb)

Powerpoint DateiWolfgang Gawlik: 10 Jahre Internetkommunikation bei Essstörungen. Erfahrungen und Trends (5266kb)

Pdf DateiBernd Franzen: Chats und Foren für Betroffene von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (151kb)

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Letzte Änderung: 09.09.2010

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